©Sylvia FischerStrand in Thailand©Sylvia FischerBlumen im Fels
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Das Recht auf Unvernunft

in diesen Zeiten schauen die Menschen kritisch auf das, was die Politik so vermeintlich richtig, oder falsch macht. Über das Grundgesetz und die Rechte der Menschen wird so oft diskutiert, wie ich es zuvor nie wahrgenommen habe. Erscheint es mir nur so?

 

Mein absolutes Lieblingsrecht ist das Recht auf Unvernunft. Mediziner wenden es an und Ethiker, Juristen und bestimmt noch mehr Fachleute unterschiedlicher Sparten.

 

Mir geht es darum, es "im Alltag" im Fokus zu behalten.

 

Wenn ein erwachsener Mann auf einen Spielplatz rennt, die Schaukel erobert und die neue orange Jeans ruiniert, ist es schon eine Herausforderung für die Ehefrau, den Mund zu halten, oder einfach herzhaft zu lachen. Aber, wie schwierig ist es im Umgang mit anderen Familienangehörigen? Da will die betagte Mutter unbedingt noch die Familienlimousine zum Rewe chauffieren, oder auf die Leiter steigen, um eigenhändig die Gardine abzunehmen. Sie lässt fremde Menschen auf das Grundstück und freut sich, weil ein netter junger Mann ihr seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmet. Der schwerstkranke Vater knackt noch immer die Walnüsse vom eigenen Baum und die Anstrengung ist nicht zu übersehen.

 

Wie rasch ist das überbehütende Kind in der ungeprüft übernommenen Mutterrolle dabei, ihr "Das geht aber wirklich gar nicht" verlauten zu lassen.... Doch, wer erinnert sich nicht an die Verbote der Eltern und - richtig! ....verbotene Früchte waren besonders süß. Was bringt es also, den Eltern etwas zu verbieten? Und, mit welchem Recht tun wir das eigentlich?

 

Eine wahre Geschichte: Eine Mutter berichtete stolz, wie geschafft sie war - hatte sie doch mehrere Fenster geputzt. Die Tochter - getrieben von Sorge und schlechtem Gewissen, schimpfte, dass sie das ja auf gar keinen Fall hätte tun dürfen, schließlich sei sie pflegebedürftig und es gäbe ja auch Helfer und sie habe ihr auch schon hundertmal gesagt, sie solle bloß nicht auf einen Stuhl steigen.

Kleinlaut räumte die Frau ein, dass sie das wohl wisse - und .... sie wird nie wieder davon erzählen.

 

Niemand hat behauptet, es sei leicht, das Recht auf freie Entscheidungen auch für diese ältere Generation zu akzeptieren. Aber ist es nicht auch tröstlich, dass unsere Kinder später nur eingeschränkt über uns bestimmen dürfen.

 

Mein Mann sagt oft: "Was nicht verboten ist, ist erlaubt."Es ist nicht verboten, als Pflegeperson, oder gerade deshalb, an sich zu denken - vielleicht auch mit einem Coaching, in dem unter anderem Alternativen zu Verboten Thema sein können.

 

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Veröffentlichung

So, 14. Februar 2021